Unser Weg nach Süden – Canberra, Melbourne und dann großes Kino

Wir verabschieden uns von Sydney, der lebhaften und facettenreichen Stadt und machen uns auf in die Hauptstadt, nach Cánberra, wo die Betonung auf dem ersten a liegt, haben uns die Aussies gelernt. Der Regierungssitz befindet sich etwa in der Mitte zwischen Sydney und Melbourne und zwar sehr schön in den Bergen gelegen. Die streitenden Politiker haben bei der Entscheidung, eine neue Hauptstadt zu bauen, wohl sehr darauf geachtet, dass nicht noch eine Hafenstadt entsteht, die einer ihrer beiden Städte Konkurrenz machen könnte. Doch auch die Lage in den Bergen hat was für sich.

Wie immer wollen wir die Stadt erst mal zu Fuß erkunden und machen uns auf die Socken. Doch schnell wird uns klar, dass es sich hier um eine mit dem Lineal auf einem großen Zeichenbrett geplante Stadt handelt, denn sie ist sehr großzügig angelegt und überhaupt nicht für Fußgänger gedacht. Ihr Konzept entstand 1908, als es schon Autos gab und man an die Zukunft mit Autos dachte. Fußgänger waren offensichtlich nicht im Kalkül der Planer.

Die Stadt hat knapp eine halbe Million Einwohner, von denen ein Großteil Mitarbeiter der Regierung sind aber auch Studenten bilden einen erheblichen Anteil der Wohnbevölkerung.

Canberra, eine weitläufige Stadt

Trotz der eher schlechten Voraussetzung setzen wir auf Schusters Rappen und machen uns auf, die Parlamentsgebäude zu besuchen. Davon gibt es zwei, denn das alte Gebäude wurde auf halber Höhe des Parlamentshügels als Provisorium gebaut und 1927 in Betrieb genommen. Der Architekt gab sich die größte Mühe alles einfach und funktionell zu entwerfen und hat dadurch ein Gebäude geschaffen, das zur Stilikone geworden ist und daher immer noch besteht, obwohl es nach dem Bezug des neuen Parlamentsgebäudes abgerissen werden sollte.

Altes Parlamentsgebäude

Wir sehen uns die Sitzungsräume des Senats und des Repräsentantenhauses an und machen uns dann auf den Weg ins Neue Parlament. Es nimmt die gesamte Kuppe des Parlamentshügels ein und wird von der 82 m hohen Konstruktion für die Staatsfahne überragt.

Neues Parlamentsgebäude

Auch hier besuchen wir die Sitzungssäle der beiden Kammern und werden im Repräsentantenhaus auch noch Zeuge einer Abschlussrede für ein Gesetz in zweiter Lesung und der anschließenden Abstimmung. Der Speaker sagt an: ‚Ring the bell for four minutes‘, worauf die Abgeordneten hereinströmen. Am Ende werden die Stimmen für und gegen das Gesetz festgestellt und bekannt gegeben. Bilder gibt es davon leider keine, da es nicht erlaubt ist, in Sitzungen zu fotografieren.

Den Tag schließen wir mit einem Besuch des Nationalmuseums ab. Aus der Zusammenstellung der Exponate lernen wir viel über das Selbstverständnis einer ‚Nation von Pionieren‘ – Australien.

Australisches Nationalmuseum
Verkehrsmittel der Pioniere
Büffelfänger, es gibt zu viele

Nach den Einblicken in die Arbeit der Parlamentarier machen wir uns wieder auf den Weg. Wir wollen nach Melbourne fahren und nehmen einen recht geraden Weg hinaus an die Küste. Er führt uns mitten durch den Kosciuszko Nationalpark und geradewegs auf eine ‚Gravelroad‘, wie die Aussies zu einer Straße ohne Teerbelag sagen. Über 80 km durch tiefsten Dschungel, zum Teil auf sehr ausgewaschener Strecke, steuere ich unser doch recht schweres Gefährt über Stock und Stein. Bilder von den Schlangen, die auf der Straße liegen, erspare ich Euch auf ganz besonderen Wunsch.

Gravelroad in den Urwald
Knapp unter dem Bergkamm verläuft unsere Straße
…und streckenweise war’s richtig grob

Zu guter Letzt landen wir dann doch in der nächsten Großstadt, in Melbourne. Sie wurde zwischen 1835 und 1837 gegründet und hat derzeit etwa 4,7 Mio. Einwohner. Gleich von Beginn an macht sie uns einen eher alten, eingewachsenen Eindruck, obwohl man auch hier der Moderne freien Zugang in die Stadt gibt und sie sogar mit Altem verbindet.

Neu – Alt, irgenwie passt es doch zusammen

Die Hochhäuser schießen wie auch in Sydney aus dem Boden, alleine in der Umgebung unseres Hotels liefen zwei Baustellen Tag und Nacht.

An der Southbank

Das Zentrum der Stadt wurde und wird immer noch neugestaltet, so staunen wir nicht schlecht über den Federation Square, der wie eine Sammlung von Bauten moderner Architekten anmutet.

Auf dem Federation Square

Besonders die Menschen, mit ihren unterschiedlichen Herkünften und ihren verschiedenen Vorlieben haben in der Stadt besonders viel Spielraum und Ausdrucksmöglichkeit, was sich in der Kunst auf den Straßen zeigt.

Kunst an der Southbank

Kunst, die anderswo kriminalisiert wird, hat hier einen festen Platz und wird sogar gefördert, nicht zuletzt, weil sie sich touristisch nutzen lässt.

Streetart in der City

Doch auch Nostalgie finden wir hier in ihrer reinsten Form. Im Stadtteil St. Kilda kommen wir an einem ‚Luna Park‘ vorbei, ein Vergnügungspark aus den 50er Jahren, der immer noch in Betrieb ist und die älteste 8er-Bahn der Welt beheimatet, die immer noch auf einem Holzgerüst ihre Kreise zieht.

Luna Park in St. Kilda

Nach drei Tagen ist uns die Stadt schon sehr vertraut, so dass wir nur langsam lebe wohl sagen und uns wieder auf den Weg machen.

Wir umrunden die große Port Phillip Bay auf der Ostseite und nehmen die Fähre von Sorento hinüber nach Queenscliff,

Fähre nach Queenscliff

wo wir gar nicht mehr weit zu unserer nächsten Einladung zu fahren haben.

Jane und Kris, haben wir in Hervey Bay getroffen. Sie haben uns zu sich eingeladen, wenn wir in Victoria auf dem Weg zur Great Ocean Road wären. Wir haben uns bei ihnen gemeldet und werden sehr freundlich in ihrem Heim empfangen. Die Freude über unser Wiedersehen ist groß, was wir mit einem herrlichen Abendessen und einem guten Schluck Rotwein genießen. Vorher bringen uns die beiden aber noch auf den Flinders Peak, einen Berg ganz in ihrer Nähe, von dessen Aussichtspunkten wir Melbourne im Dunst liegend am Nordufer der Port Phillips Bay und Geelong, die Stadt am Südufer der Bay sehen können. Es ist einer der wenigen Plätze auf dem Kontinent, auf dem man eine solch grandiose Aussicht über das Land und die Städte in der Umgebung hat.

Jane und Kris – unsere freundlichen Gastgeber

Vielen Dank für die Gastfreundschaft!

Und dann machen wir uns auf zum absoluten Zuckerstück auf unserer Reise. Wir fahren auf die Great Ocean Road, ein motorradlerischer Hochgenuss, aber auch was die Aussicht auf die Küste betrifft, haben wir so etwas noch nicht gesehen. Doch bevor es richtig losgeht, halten wir in Kennet River an, das Dorf mit den Koalas, den Kakadus und den großen Sittichen.

Königssittich auf der Hand
Zzzz‘-Zzzzz‘ – Mittagsschlaf

Die Kakadus haben sich zu echten Touristen Junkies entwickelt, denn für sie ist durch die Menschen das Schlaraffenland ausgebrochen – bin nicht so sicher, ob das im Sinne der Natur ist.

Aber kaum haben wir das hinter uns, eröffnet die Natur ein Schauspiel, für das mir die Worte fehlen, weshalb ich mich für heute mit ein paar Bildern von den Zwölf Aposteln, die nur noch 8 ½ sein sollen, doch wir haben es nicht gezählt, und anderen Felsbrocken im Meer und den grandiosen Eindrücken verabschieden möchte.

Cape Otway Leuchtturm
Ein paar der 12 Aposteln
The Razorback
Stete Brandung höhlt den Stein und irgendwann fällt er um
Grüße von den 12 Aposteln

Weiter dran bleiben lohnt sich, denn es geht nach langer Zeit wieder nach Norden.

 

5 Antworten auf „Unser Weg nach Süden – Canberra, Melbourne und dann großes Kino“

  1. Hallo Familie Kage,

    sitze so kurz vor dem zu Bett gehen am Schreibtisch und lese und schau mir die aktuelle Lage an. Und lache………
    Ja danke, für das ersparen der Schlangefotos. Ich mag diese Vieche halt so gar nicht. Könnte aber schnell darüber hinwegschaun….. Und es gibt vielleicht Freunde, dieser Tiere, die jetzt enttäuscht sind die Fotos nicht zu sehen.
    Gute Fahrt (keine Schlange tot fahren….)
    und bis dann

    Gudrun Warz

  2. zwölf kleine Apostelein die standen hier im Meer …….
    die Brandung hat sie unterspült, da warens keine mehr 🤔

    Aber der Rest schaut doch noch richtig gut aus!

    Weiter gute Fahrt für den Endspurt!

  3. Hallo liebe Kathy und lieber Paul!
    Jetzt hab ich alle Eure Berichte gelesen. Ihr macht ja eine tolle Reise und durch Eure Berichte dürfen wir das teilweise miterleben. Vielen Dank dafür. Wir wünschen Euch weiter eine angenehme und unfallfreie Reise und noch viele schöne Erlebnisse.
    Georg und Elisabeth

  4. Wonderful trip! We are travelling with you and we are expecting your next adventure posting already! Stay safe!

  5. Servus liebe Kathy und Paul,
    Jetzt seid Ihr aber sehr flott unterwegs, vor ein paar Tagen haben wir noch die Bilder von der Harvey Bay angschaut, jetzt Sydney Canberra, Melbourne, Great Ocean Road … wow! Alles sehr schöne Erinnerungen an unsere Australienreise im Februar. Die Great Ocean Road und die 12 Apostel sind schon eine der beeindruckendsten Gegenden Australiens. Wir sind damals gefühlt jede Abzweigung zu Aussichtspunkten rein gefahren und fanden jedesmal eine neue faszinierende Ansicht vor. Für den Rest Eurer grandiosen Rundreise wieder nach Norden wünschen wir viel Freude und Spass. Alles Gute!
    Viele Grüße aus MUC
    Wolfgang und Marita

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