Vom Land der Macs und Lochs in den Lake District nach England

Teil 3 und Ende der Reise

9. bis 30. Mai

Und da war doch noch eine weitere, aus einem Film sehr bekannte Sehenswürdigkeit an unserer Route. Deshalb fahren wir zum Bahnhof des kleinen Örtchens Glenfinnan, wo gerade der ‚Hogwart Express‘ vulgo der ‚Jacobite Steam Train‚ unter Dampf und mit heftigem Schnauben zur Weiterfahrt nach Mallaigh bereitsteht.

Glenfinnan Bahnhof

Dieser Zug verkehrt als begehrte Touristenattraktion täglich zwischen Fort William und Mallaigh. Er war für die Filmleute der Inbegriff von ‚zauberhaft‘, deshalb wurde er auch zum ‚Hogwart Express‘.

The Jacobite

Fehlt nur noch die Brücke über die der ‚Hogwarts Express‘ fauchend und stampfend um die Kurve fuhr. Eine etwa halbstündige Wanderung bringt uns an den Aussichtspunkt für Fotografen – und tatsächlich sind wir trotz des etwas feuchten Wetters nicht alleine. Außer uns haben ein paar Enthusiasten den Weg auf sich genommen, um das sich vor uns in einem weiten Bogen über das Tal des River Finnan spannende Glenfinnan Viadukt zu fotografieren. Es dauert nicht lange dann hören wir das typische Stampfen der Lock des ‚Jacobite Steam Train‘ auf seinem Rückweg von Mallaigh nach Fort Willam und gleich darauf fährt er an uns schnaubend und dampfend vorbei.

Gelnfinnan Viadukt mit dem Jacobite Express

Hin und wieder lässt uns das Wetter doch noch Zeit für ein paar schöne Aufnahmen.

So finden wir Stalker Castle in einer Regenpause gleich neben unserer Straße. Es liegt viel zu schön auf einer kleinen Insel, um unbemerkt zu bleiben. Also packt Manfred wieder mal seine Drohne aus und geht auf Fotojagd in die Luft.

Stalker Castle

Unsere Wetter-App verheißt uns für die nächsten Tage keine Besserung – wir entscheiden, den Hadrians Wall hinter uns zu lassen und in den Lake Distrikt südlich von Glasgow zu fahren – er liegt jedoch schon in England, doch dort soll die Sonne scheinen, also nix wie hin.

Die typisch unaufgeregte und den guten Dingen der Vergangenheit zugewandten Lebensweise der Schotten zeigt sich auf dem Weg nach Süden, als wir in einem Dorf an einem Telefonhäuschen vorbeikommen, neben dem auch immer noch der rote Briefkasten der Royal Mail steht

Auf unserem Weg in den Lake Distrikt durchqueren wir Glasgow und bevor wir in Carlisle nach Westen an die Küste abbiegen, kommen wir an einem Ort vorbei, der unsere Neugierde geweckt hat, sobald wir wussten, dass er auf unserem Weg liegt – Gretna Green!

Natürlich biegen wir zu dem berühmten Schmiedeanwesen ab, in dem viele Paare sich ‚getraut‘ haben, ohne der Verwandtschaft groß was davon zu sagen. Was wir dort vorfinden hat natürlich mit der Nostalgie alter Tage nichts mehr zu tun. Es ist eine immer noch für Trauungen genutzte Lokation, doch durch und durch eine Touristenfalle. Souvenir-Shop, Whisky-Shop, Restaurant und der ‚Heiratsspezialist‘ im Kilt.

Die Neugierde ist gestillt – es geht in einem großen Bogen weiter an die Küste und erst mal umrunden wir den Lake Distrikt National Park.

Dass wir jetzt in England sind erschließt sich für mich vor allem durch den zum Five O’Clock Tea servierten ‚Scone with Clotted Cream‘, eine Köstlichkeit für denjenigen, dem die dabei vertilgten Kalorien egal sind.

Cappuccino with scone and clotted cream

In der Nähe von Windermere, am See mit demselben Namen und Hauptort des Nationalparks, schlagen wir unser Quartier für die nächsten Tage auf.

Windermere

Wir durchstreifen die hügelige Landschaft entlang der Seen und über die wildesten Pässe.

Dabei fällt uns auf, dass es für die Seen zweierlei Bezeichnungen gibt, nämlich entweder ‚water‘ oder ‚mere‘. So heißen die Seen z.B.:

  • Crummock Water
  • Buttermere
  • Enerdale Water
  • Windermere
  • Thrilmere
  • Ullswater
  • Grasmere

Allerdings gibt es nirgendwo eine Regel ohne Ausnahme. Die haben wir bei den kleinen Weihern gefunden, wie z.B.:
– Loughrigg Tarn und
– Stickle Tarn

Stickle Tarn

Im Nationalpark unterwegs zu sein heißt zum einen eine wundervolle Landschaft genießen, andererseits aber auch auf engsten Straßen sehr steile Pässe zu fahren. Durch lange Trogtäler ziehen sich einspurige Straßen, also single-lane-roads, mit Ausweichstellen.

Die Autofahrer müssen sich quasi von weitem arrangieren, was auf ebener Strecke einfach, auf der engen  Bergstrecke manchmal etwas kompliziert ist.

Steigungen von 25% werden uns am Fuß des Honister Pass angekündigt. Die Passhöhe liegt auf 356 m N.N. und vermittelt mit seinen grünen Matten und dem fehlen jeden Baumbestandes den Eindruck von Hochgebirge.

Den Höhepunkt unserer Passfahrten bildet jedoch der Wynrose und Hardknott Pass, an dessen Fuß uns 30 % Steigung angekündigt werden und auch, dass die Straße für motorgetriebene Fahrzeuge nicht geeignet sei. 

Der höchste von allen ist jedoch der Kirkstone Pass, der uns auf 454 m N.N. bringt.

So verbringen wir unsere letzten Tage auf der Insel auf der Suche nach schönen Fotomotiven.

Und finden sie natürlich auch am Meer.

So endet für Manfred und mich die Reise nach Schottland im Lake Distrikt in England. Gemessen an den Bedingungen, denen wir uns an der schottischen Westküste gegenübersahen, waren die Tage hier ein echter Gewinn. Die Landschaft, das Wetter mit Sonne und weiß-blauem Himmel und die schönen kleinen Orte entschädigten uns für die entgangenen Motive in Schottland.

Für mich war die Fotoreise mit Manfred ein besonderes Erlebnis. Denn zum ersten Mal war die Routenplanung nicht nur meine Aufgabe – es war schön einfach den Vorgaben zu folgen und die interessanten Punkte nacheinander zu besuchen. Trotzdem folgten wir nicht einem sturen Plan, der Masterplan war ausschlaggebend für die Ziele und wie wir sie erreichten, war immer abhängig von der Tagesform des Wetters und von uns. Diese Flexibilität brachte entspannte Tage und viele erwartete und nicht erwartete Ziele – einfach genial.

Und wer schöne Bilder der Reise und vor allem auch Videos der Drohnenflüge sehen will, den möchte ich die Web-Site von Manfred sehr empfehlen – hier gehts zu Manfreds Bilder und Videos

Vielen Dank für die inspirierende und angenehme Zeit und die komplikationslose Reise.

Seaborne – auf dem Weg ‚zurück nach Europa‘