Die Monsterwelle, das Tal der Giganten und auf Du und Du mit den Rochen

Kilometerstand: 23.132

Die Tage in Esperance gehen schnell vorbei. Wir haben uns vorgenommen, doch noch mal einen Abstecher ins Land zu machen und uns eine weitere geologische Kuriosität anzusehen – den Wave Rock. Etwa 350 Kilometer fahren wir Richtung Norden, in den ‚Western Wheat-Belt‘, wie die Aussies die Gegend nennen, wo sich Quadratkilometer große Weizen-, Roggen- und Haferfelder ausbreiten. Gelbe, reife Getreidefelder von Horizont zu Horizont

Western Wheat-Belt

Die Ernte ist in vollem Gange, immer wieder begegnen uns lange Lastzüge voller Getreide, das sie an Sammelstellen abladen und wo es erst mal in riesigen Mengen zwischengelagert wird. Wir sehen etwa 20 m hoch aufgeschüttete Mieten, die gegen die Feuchtigkeit mit Planen überzogen sind. Ein Lastwagenfahrer erzählt uns am Abend, dass diese Getreidemengen hier gelagert werden, und erst auf den Markt kommen, wenn der Preis stimmt.

Getreidlager unter dichter Folie

Dann kommen wir nach Hyden, ein kleiner Ort, in dessen Nähe sich der Wave Rock befindet. Er hat durch die Verwitterung die Form einer riesigen Welle angenommen, was sehr bizarr wirkt, wenn man davor steht.

Wave Rock – die Monsterwelle

Wir fahren zum Felsen und haben ihn fast für uns alleine. Es ist halt Vorsaison und es sind nicht sehr viele Leute hierher unterwegs. Das gibt uns die Möglichkeit, exklusive Bilder zu schießen.

Wir haben ihn ganz für uns

Gleich in der Nachbarschaft zu unserer Unterkunft fallen gegen Abend eine Horde rosa Kakadus ein und suchen nach den letzten Körnern, bevor die Nacht kommt. Ein lustiges Völkchen, dem wir gerne zusehen. Kathy ist die Spezialistin für die Fotos.

Rosarote Kakadus

Auf dem Rückweg an die Südküste lernen wir, dass die Leute im Outback einen ganz feinen und künstlerischen Humor haben. In Kulin biegen wir auf die Kulin-Lake Grace Road ein und finden am Ortsausgang ein Schild, das wir so noch nie gesehen hatten.

Tin Horse Highway – in der Nähe von Kulin

Es kündigt den ‚Tin Horse Highway‘ an, was uns erst einmal nichts sagt. Doch nach ein paar hundert Metern sehen wir die erste Figur am Straßenrand. Sie ist aus Blechfässern und Blechteilen zusammengebaut und bunt bemalt und stellt ein Pferd in einer menschlichen Pose dar

‚Horseidon‘
‚Rocky – The Italian Stallion‘
Rocky – der italienische Hengst

Nicht nur wir finden das lustig, denn an den Figuren sind bereits Buchten am Straßenrand ausgefahren, die es erlauben, gefahrlos für ein Foto anzuhalten. So entstehen einige Bilder, die wir hier vorstellen möchten.

Wieder an der Küste angekommen, setzen wir unseren Weg fort, um den Kreis bis Perth immer weiter zu schließen.

Von Albany aus bleiben wir so nahe, wie möglich an der Küste und fahren durch endlose Wälder. Manche von ihnen sind Forste, in denen Eukalyptusbäume in Reih und Glied stehen, um als Bauholz geschlagen zu werden. Nach dem Abforsten sehen die Flächen aus, als ob ein alles verwüstender Sturm drübergezogen wäre, doch meist sind die Setzlinge für die nächste Generation schon zu sehen. Doch entlang der Straße gibt es auch geschützte Flächen, meist sind es Nationalparks oder Naturreservate in denen der Wald ursprünglich belassen wurde. Oft war es eine Rettungsaktion vor der Holzindustrie, die gerne alle alten Bäume entnommen hätte und das auch tat, bevor der Schutz griff. Dadurch konnten alte Urwälder in einem halbwegs ursprünglichen Zustand belassen bleiben. Einer dieser südlichen – d.h. kalten – Regenwälder liegt im ‚Valley of the Giants‘, dem Tal der Riesen. Neben den alten und recht hohen Bäumen gibt es dort eine Attraktion, die einen Reiz des Abenteuers ausstrahlt, es ist der ‚Tree Top Walk‘, eine freischwebende Brückenkonstruktion, die in schwindelnde Höhen führt.

Doch beim Eintritt in den Park begrüßt uns ‚Grandma Tingle‘, ein Baum, der an seinem Fuß mit all den Falten und Warzen ein fast menschliches Aussehen hat.

‚Grandma Tingle‘

Die Matriarchin misst etwa 12 m im Umfang, ist etwa 34 m hoch und ca. 400 Jahre alt, sie ist quasi die Herrscherin des Forstes.

Freundlich begrüßt von ‚ Grandma‘ begeben wir uns auf den Weg nach oben und entern den  ‚Tree Top Walk‘. Schon nach der ersten Sektion fängt die frei, an Drahtseilen aufgehängte Konstruktion merklich unter unseren Füßen zu schwingen an.

Baumwipfel Hängebrücke

Auf durchsichtigem Gitter geht es ständig nach oben,

Durchblick

bis wir auf einer kleinen Plattform lesen, dass wir nun in 40 m Höhe den höchsten Punkt des Rundgangs erreicht hätten und tatsächlich geht es von hier nur noch abwärts.

Auf 40 m Höhe

Für mich war es eine kleine Mutprobe, doch es hat Spass gemacht und am Ende konnten wir uns bei der Nachbarin der ‚Grandma‘ wieder von den Giganten verabschieden.

Abschied von den Giganten

Unser Weg führt uns weiter nach Westen, bis an den Indischen Ozean, nach Hamelin Bay, einer bezaubernden Bucht, ohne Telefonempfang und Internet, wo wir uns für ein paar Tage einmieten.

Hamelin Bay

Hier soll es eine ganz besondere Beziehung von Mensch und Fisch zu erleben geben. Und tatsächlich, in dieser Bucht lassen sich Rochen immer wieder am Strand sehen und sagen den dort wartenden Menschen ‚hallo‘ – so sieht es zumindest aus. Tatsächlich gibt es in der Bucht  recht viele Rochen, die irgendwann einmal herausgefunden haben, dass die Fischabfälle der Angler leichte Beute sind. Das bringt sie immer wieder dazu, hier vorbei zu schauen und auf Abfälle zu hoffen. Dabei kommen Begegnungen zwischen Menschen und den Tieren zustande, die man so sonst nirgends sieht.

Rochen fast auf dem Trockenen
Der Fotograf müht sich um ein gutes Bild
Ganz Mutige bleiben einfach stehen
Abschied von Hamelin Bay

Von hier aus besuchen wir den südwestlichsten Punkt Australiens, das Cape Leeuwin, das von National Geografics zu den 10 schönsten Kaps der Welt gezählt wird – wir müssen sagen, die liegen nicht so falsch. Malerisch ragt ein 34 m hoher, schneeweißer Leuchtturm über die Spitze einer schmalen Halbinsel, von der die Entdecker annahmen, es waren Holländer, Anfang des 17. Jahrhunderts, es wäre eine Insel.

Cape Leeuwin – der südwestlichste Punkt Australiens

Wir besteigen den Turm und genießen den Blick über die kleine  Halbinsel nach Norden aber auch den unverstellten Blick in Richtung Süden, Richtung Antarktis.

Blick nach Norden
Nächste Station: Antarktika

An dem Kap treffen sich auch der Indische Ozean und der Südliche Ozean, worauf uns das Schild am Fuß des Leuchtturms hinweist.

Indischer und Südlicher Ozean stoßen hier aufeinander

Wie an allen südlichen Kaps scheint auch hier die See recht unberechenbar zu sein, viele Schilder rundum weisen auf eine ganze Menge gesunkener Schiffe hin – wir haben sie nicht gezählt.

Nun verabschieden wir uns vom Süden

Abschied vom Südlichen Ozean

und machen uns auf nach Margaret River, einer recht rührigen Weinregion.

 

Auch von hier gibt es noch was zu erzählen, bevor wir wieder unsere sieben Sachen packen, also dranbleiben an den langen Winterabenden, es kommt noch was.

 

 

 

2 Antworten auf „Die Monsterwelle, das Tal der Giganten und auf Du und Du mit den Rochen“

  1. Wahnsinn, die Riesenwelle! Tolle Fotos!

    Herrlich auch die Blechpferde….. wie lange habt ihr für die Strecke gebraucht? 🙂

    Einen guten Endspurt und danke für die vielen schönen Berichte.

  2. Viele Grüße nach Australien von Harald und Konstanze. Den Bildern und Berichten nach ist es eine unvergessliche Reise. Davon kann man wieder sehr lange zehren. Für uns geht es in 14 Tagen los. Eine Kurzreise über den großen Teich.
    Viele Grüße und weiterhin gute Reise.

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