Freundliche Nullarbor und dann … Skylab und Stonehenge

Kilometerstand: 21.786

Nach unserem Ausflug in die Flinders Ranges richten wir unsere Ziele schon auf die Südküste aus, denn dort wartet noch ein Abenteuer der besonderen Art, wie uns alle Aussies sagen.

Doch bevor wir uns in dieses Unternehmen stürzen, steht noch die Eyre Halbinsel auf unserem Reisezettel. In ihrer hügeligen Landschaft finden wir unüberschaubar große Getreidefelder,

Weizenfelder, soweit das Auge reicht

die goldgelb in der Sonne leuchten und die auf die Ernte warten; hin und wieder sehen wir einen Mähdrescher seine Kreise ziehen.

Reif für die Ernte

Im Norden der Halbinsel erreichen wir Whyalla, die zweitgrößte Stadt Südaustraliens mit einer langen Tradition in der Stahl- und Eisenerzeugung und -verarbeitung.

Whyalla – Erinnerung an die Werft

Wir bleiben zwar nur eine Nacht, doch erfahren wir von einer dramatischen Zeit, die die Stadt in den vergangenen zwei Jahren durchlebt hat. Der mit Abstand größte Arbeitgeber der Region, ein Stahlkocher und -verarbeiter schürfte im nahegelegenen, eigenen Tagebau Eisenerz.  Das schmolz er, wiederum in den eigenen Hochöfen zu Eisen und Stahl und verarbeitete es in den angegliederten Veredelungs- und Walzwerken zu Endprodukten für den Markt im In- und Ausland – ein Kombinat, wie aus den Lehrbuch. Nicht nur die Mine, die Hochöfen und die Eisenverarbeitung gehörten zu dem Unternehmen, es besaß auch noch die Hafenanlagen, so dass die Stadt im Hintergrund nur als Schlafstadt für die Mitarbeiter existierte, sie hatte mit der industriellen Infrastruktur nur wenig bis nichts zu tun und hing vollständig vom Wohl und Wehe des Unternehmens ab – und dann ging das Unternehmen 2015 pleite. Eine Katastrophe für die Menschen und die Stadt. Wir hören von einer großen Ratlosigkeit bei den Menschen, viele wollten nur noch weg, doch es gab auch Leute, die an die Zukunft der Stahlerzeugung in der Stadt glaubten. Und diese Zukunft begann für sie im September 2017, als ein englischer Investor das Unternehmen kaufte und mit einer Investitionszusage in die Stadt kam. Seither spüren die Leute wieder Zuversicht, was auch im Gesicht unserer Hotelchefin zu sehen war, als sie uns erzählt, dass der neue Eigentümer des Stahlwerks am Tag unserer Abreise am Mittag mit dem Helikopter einfliegen und in ihrem Restaurant zu Mittag essen wird. Wir halten den Menschen in der Stadt die Daumen, dass der neue Unternehmer erfolgreich sein wird.

Wir erleben auf unserem weiteren Weg, dass dieser Kontinent immer noch Überraschendes für uns bereithält. In der Nähe von Port Lincoln, einer Stadt mit großen Getreidesilos, aus denen Schiffe beladen und in die Welt geschickt werden, finden wir die Mikkira Station, auf der es sich Koalas heimisch eingerichtet haben. Vor vielen Jahren wurden dort die, für die Koalas notwendigen Eukalyptusbäume gepflanzt und aus Victoria auch einige der Wollknäuel herübergebracht, denn hier kommen sie in der freien Natur nicht vor. Die ersten Koalas fanden die Umgebung schön, das Futter ausreichend und gut und deshalb vermehren sie sich vollkommen selbständig und leben unter Aufsicht einer 84-jährigen Lady gemächlich in den Tag hinein.

Koala – das Vorbild für den Teddybären
Was guckst du?

Gleich ums Eck und nur ein paar Kilometer weiter, in Coffin Bay, haben wir den Eindruck, wir wären in einen Zoo gefahren, denn vor uns tauchen 15 Emus aus dem Busch auf. Gemütlich schreiten sie vor uns über die Straße und in den Garten des erstbesten Hauses. Offensichtlich sind sie hier wirklich zu Hause und die Leute lassen sie gewähren.

Eine ganze Schar Emus mitten in Coffin Bay

Dann, bevor es auf das große Abenteuer zugeht, können wir noch eine Sehenswürdigkeit einbauen, die gut als Ersatz für die uns entgangenen ‚Devils Marbels‘, die runden Riesenmurmeln, nördlich von Alice Springs, gelten können. Auf unserem Weg liegen ‚Murphy’s Haystacks‘, Murphys Heuhaufen, und die wollen wir natürlich sehen. Diese Haystacks bestehen aus uraltem Granit und bilden ‚Inselbergs‘, wie sie in Englisch heißen – Inseln, die aus ihrer Umgebung herausragen.

Murphy’s Haystacks – Inselberge im Outback

Vorbei an Streaky Bay, wieder einer kleinen Stadt an einer malerischen Bucht gelegen, erreichen wir Ceduna, das Tor zur Nullarbor (aus dem lateinischen: kein Baum). So heißt die absolut baumlose Gegend, die in nicht allzu großer Entfernung folgt. Die 1.200 km lange Straße, die diese Wüstenei bis Norseman durchquert, heißt Eyre Highway. Sie stellt für jeden, der sie durchfährt, eine durchaus ernst zu nehmende Aufgabe dar. Vor allem, weil es nur alle gut 250 km ein Roadhouse und sonst nichts gibt und es dort fast immer sehr heiß (35°C – 44°C) ist, kommt eine Durchquerung einem Überlebenstraining gleich. Wir decken uns mit genug Wasser ein und starten das Abenteuer, das wir in drei Etappen erfahren wollen.

Am Beginn der Nullarbor
Ohne Bäume und immer geradeaus

Zwischendurch gibt es Abstecher an die Küste der ‚Great Australian Bight‘, der Großen Australischen Bucht, wo wir uns die zerklüftete Küstenlinie ansehen und wo man von Juni bis Oktober Wale bei der Aufzucht ihrer Kälber beobachten kann. Wir konnten das Schauspiel noch im Osten sehen, jetzt sind die Meeressäuger von hier schon längst wieder nach Süden, in die Antarktis gezogen.

Zerklüftete Südküste an der Großen Australischen Bucht

Tatsächlich fahren wir in eine Hitzewand von 38°C, die uns fast den gesamten ersten Tag traktiert. Doch schon am späten Nachmittag, wir sind nur noch 150 km vom Nullarbor Roadhouse entfernt, sinkt das Thermometer merklich und rapide. Bei gerade mal 21°C kommen wir dort an und die Leute können gar nicht verstehen, dass wir es heute so heiß hatten. Hier, sagen sie uns, wäre es den ganzen Tag über kühl gewesen und letzte Nacht fiel ordentlich viel Regen.

Am nächsten Tag starten wir bei bedecktem Himmel und bei nur 21°C, was unsere Fahrt recht angenehm und lang, aber keineswegs abenteuerlich macht. Die ‚90 Mile Straight‘, mit 146,2 km längste Gerade Australiens

Anfang ’90 Mile Straight‘ – 146,6 km ohne auch nur die leiseste Biegung

schaffen wir in 75 Minuten (der Durchschnitt liegt damit leicht über der erlaubten max. Geschwindigkeit) und können in der Zeit auch die Wolken hinter uns lassen.

Ende ’90 Mile Straight‘ – die Sonne hat’s auch geschafft

Trotzdem erhöht sich die Temperatur nur unwesentlich, es bleibt frühlingshaft – wir haben richtig Glück mit dem Wetter.

Am dritten Tag unserer Durchquerung erreichen wir Norseman, wo wir nur unseren Tank auffüllen und die 200 km nach Esperance gleich noch unter die Räder nehmen. Die Stadt ist bekannt für ihre schönen Strände gleich um die Ecke. Der Twilight Beach sei hier nur ein Beispiel.

Twilight Beach bei Esperance

Doch wir haben auch noch ein paar Kuriositäten gefunden. Da ist zuerst das Museum, in dem alles gesammelt wird, was die Pioniere mitbrachten und zum Überleben brauchten. Das sind alte Traktoren, Autos, Telefone, Kinoprojektoren, Haushaltswaren, Spielsachen und vieles mehr. Doch das Beste von allem sind die gesammelten Überreste des Skylab, der ersten Raumstation, das den Amerikanern bei seinem Absturz zur Erde im Juli 1979 außer Kontrolle geriet und auf Westaustralien in Stücken niederregnete.

Überreste von Skylab, die auf die Gegend niederregneten

Das Council von Esperance stellte den Amerikanern einen Strafzettel in Höhe von 400 AUS$ wegen ‚Littering‘ – Vermüllung – aus, den sie auch in voller Höhe bezahlten.

400 AUS $ Strafe wegen Vermüllung – vollstandig bezahlt

Ein weiteres Ziel in der Umgebung ist die Craft-Bier Brauerei ‚Lucky Bay Brewing‘,

Lucky Bay Craft-Bier Brauerei

eine kleine Brauerei, die erst seit zwei Jahren in Betrieb ist, so lesen wir und das macht uns neugierig. Tatsächlich liegt die kleine Halle mitten im Busch. Wir stellen unsere Perla Negra II auf dem kleinen Parkplatz ab und sehen uns um. Wir werden freundlich empfangen und nach ein paar Worten kommt auch schon einer der beiden Betreiber um die Ecke und erzählt ein wenig von den Anfängen und dem aktuellen Stand.

Die Brauerei – Innenansicht

Sie seien nun das zweite Jahr auf dem Markt, brauten neun verschiedene Biere und hätten in ihrem ersten vollen Jahr ca. 330 hl Bier gebraut und verkauft. Klein, aber fein und sie wachsen, wie er uns erzählt. Er bietet zwei seiner Köstlichkeiten zur Probe an, sie schmecken >einwandfrei<.

Biergarten

Unsere Runde um Esperance endet mit dem größten Kuriosum, das mir in Australien bisher untergekommen ist. Etwa 15 km außerhalb der Stadt hat sich ein Mäzen eine 1:1 Kopie des megalithischen Streinkreises von Stonehenge, aus Granit vom Steinbruch gegenüber, hinstellen lassen.

Stonehenge – Australien

Es ist, wie das Original, auf die Sommer- und Wintersonnenwende ausgerichtet und zeigt den selben Effekt nur eben auf der Südhalbkugel in umgekehrter Folge – 21. Dezember > Sommersonnwende, 21. Juni > Wintersonnwende.

Irgendwie aus der Zeit gefallen 😉

Ein wenig geplättet fahren wir wieder zurück und freuen uns auf die Abschlusskurve durch den Süden von Western Australiens.

Dranbleiben, es kommt immer noch was Neues.

3 Antworten auf „Freundliche Nullarbor und dann … Skylab und Stonehenge“

  1. Servus Kathi, Servus Paul,
    ein herzliches Dankeschön für den „mitnehmenden“ Reisebericht.
    Stonehenge ist schon beeindruckend und ihr beide mittendrin.
    Wir wünschen euch weiterhin „the sunny side up“.
    Liebe Grüße aus dem weihnachtlichen Altdorf
    Heidi und Fritz

  2. Liebe Kathy und Paul,

    Sehr interessant und bewundernswert, was Ihr auf Eurer langen Reise durch Australien alles entdeckt und nicht müde werdet, uns davon in bewährter Weise zu berichten. Vielen Dank dafür!
    Bei uns ist mittlerweile der Winter eingekehrt. Aus diesem Grund werden wir dem entfliehen und ein paar Tage in Valdobbiadene eine kleine Auszeit nehmen und uns dem Proseccogenuß hingeben. Für die letzten Tage in down under alles Gute und schon mal vorab ein frohes Weihnachtsfest!
    Viele Grüße
    Wolfgang und Marita

  3. Ihr Lieben Kradler,

    die Welt ist wohl rund, sagt man.
    Aber ich bin platt: So viele und so einmalige Eindrücke, die Ihr aufgenommen habt – Yeah!

    Schön ist, das Ihr uns habt teilhaben lassen — mitten im Winter ☆☆☆☆☆☆,

    der uns hier schön Schnee „riechen lässt“
    .. was sind da 30 Grad und mehr? Märchenwelten! Fahrt SCHÖN weiter! Norddeutsche Grüße Dirk

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